Der Mythos...
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...nach Sir Tomas Malory 

Zwischen 1450 und 1470 verfasste Sir Thomas Malory den Roman "Der Tod von Artus", der nicht nur als die vollständige Fassung des Mythos gilt, sondern auch ein eigenständiges Meisterwerk ist.

Malory verfolgte mit seinem Buch ein politisches Ziel: Er lebte in der Zeit der Rosenkriege, eines blutigen Bürgerkriegs, der England an den Rand des Abgrunds brachte. Die rote Rose symbolisierte das Haus von Lancaster, während die weiße Rose jenes von York darstellte. Es ging um die Thronfolge in England, auf die beide Häuser Anspruch erhoben, und es sollte dreißig Jahre dauern, bis der Kampf entschieden war.

Durch die ganze Erzählung Malorys zieht sich angesichts dieses politischen Hintergrunds das Motiv vom Niedergang des Rittertums und der "guten Lordschaft". Viele Gelehrte glaubten, Malory habe seinen Roman in einem Londoner Gefängnis geschrieben. Er saß dort acht Jahre lang als politischer Häftling. Sein Buch spiegelte die Stimmung in der Bevölkerung wider: Schmerz über die Gewalttaten im ganzen Land und Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem Retter und Erlöser, der aus dem Chaos des Krieges eine neue Ordnung schafft. 

Zu Malorys Zeiten wurde der Buchdruck erfunden. Dadurch durfte er miterleben, wie seine Version der Artus-Sage einer der ersten englischen Bestseller wurde. Trotz aller politischen Untertöne blieb die Dreiecksliebesgeschichte der Kern des Buches. Wer mittelalterliche Autoren liest, merkt, dass sie in der Darstellung der Guinevere ständig zwischen den beiden Polen pendeln, der Reinheit der Heiligen Jungfrau auf der einen Seite, der Versuchung auf der anderen. Malorys Schilderung von Artus ist eindeutig: Der König bewahrt seinen Edelmut, obwohl Guinevere und Lancelot ihn hintergangen haben. Er wird nicht verspottet wie betrogene Ehemänner in anderen mittelalterlichen Werken. Bei Malory ist die Schlüsselfigur Lancelot, der Vorbild für ritterliche Tugenden ist. Seine Leidenschaft für Guinevere spielt erst in den letzten Kapiteln eine Rolle. 

Malorys Roman aus dem 15. Jahrhundert, verfasst in einer Zeit großer politischer Wirren, sollte für die nächsten vierhundert Jahre die populärste Darstellung dieser Geschichte bleiben.


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