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Der Mythos...
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...nach Alfred Tennyson
Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb der englische Hofdichter Alfred Tennyson eine neue Version der Artussage.
Mit den Vers-Epen "Die Königsidyllen" hatte er auf Anhieb Erfolg bei einem Publikum, das in anderen Zeiten lebte als die Leserschaft Malorys. Es herrschte Frieden im Land, und Königin Viktoria regierte solide das britische Weltreich. Die industrielle Revolution hatte gerade begonnen, und Lord Tennyson fürchtete die Bedrohung der Gesellschaft durch die Technik.
"Die Königsidyllen" haben etwas Melancholisches und Verzweifeltes an sich. Die Trauer über den Untergang Camelots war die Trauer über den Untergang des ländlichen, friedlichen England und den Sieg der modernen Stahl- und Wollfabriken. Camelot wurde zum Symbol eines verlorenen goldenen Zeitalters, war aber ein Leitbild für die Erziehung der kommenden Generationen. Das hieß, die Ideale der Ritterlichkeit sollten den zukünftigen Führern der Gesellschaft zeigen, wie sie wahre, ritterliche Anführer werden können. Artus wurde zum Vorbild der herrschenden Klassen Englands, zumindest bis zum Ersten Weltkrieg.
Auch in Tennysons Version blieb der Kern der Artus-Sage erhalten, und die Dreiecksliebe zwischen Artus, Guinevere und Lancelot bestimmt das Schicksal Camelots. Trotz aller zauberischen Fähigkeiten Merlins, trotz der weisen Führung von Artus, trotz der Hingabe seiner treuen Ritter war der Untergang Camelots unaufhaltbar. Nicht Feinde von außen, sondern menschliche Leidenschaften an seinem Hof führten das Ende des goldenen Zeitalters herbei.
Eine wichtige Rolle spielte dabei Mordred, ein Ritter, den Artus als Sohn und eventuellen Nachfolger in die Tafelrunde aufgenommen hat. Mordred erkannte, dass die Liebesaffäre den König schwächte und erstrebte die Krone für sich selbst. Es kam zum Kampf um den Thron. In der Schlacht von Camlann war Artus gezwungen, Mordred zu töten. Dabei wurde er selbst schwer verwundet. So ungewiss die Herkunft von Artus war, so geheimnisvoll war auch sein Ende. Er wurde auf die Zauberinsel Avalon gebracht, wo seine Halbschwester Morgana Le Fay seine Wunden pflegte. Bis heute, so sagt die Legende, schläft Artus nur. Er wartet darauf, dass man ihn ruft, um ein vollkommenes, irdisches Königreich zu regieren.
Auf Guinevere und Lancelot wartete keine romantische Erfüllung ihrer Liebe. Ihre leidenschaftliche, zerstörerische Beziehung endete, als Artus nach Avalon gebracht wurde. Beide bereuten ihre Verfehlung. Guinevere verbrachte den Rest ihrer Tage als Nonne, Lancelot lebte fortan als Eremit.
So endet die Sage von Camelot. Sie hat die Menschen über vierzehn Jahrhunderte und über alle Sprach- und Landesgrenzen hinweg fasziniert. Solange es Dichter gibt und Phantasten, wird an ihr weitergesponnen werden.
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