
Angst (© E. P.)
Ich habe Angst,
dass du eines Tages sagst,
du liebst mich nicht mehr.
Ich habe Angst,
dass wir eines Tages
nicht mehr miteinander reden.
Ich habe Angst, dass du dein Vertrauen
jemand anderem schenkst.
Ich habe Angst,
dass du mich verlaesst.
Doch wenn du kommst,
und mir in die Augen schaust,
vergesse ich die Angst
Eine kleine Liebesgeschichte...
Wenn mir jemand Anfang 1999 gesagt hätte, dass ich die Liebe meines Lebens
über das Internet finden würde, so hätte ich mir doch glattweg vor Lachen
auf die Schenkel geklopft. Schließlich war ich eine realdenkende Mutter
dreier Teeny-Töchter und zu guter letzt stand ja auch mein 15. Hochzeitstag
in diesem Jahr an...
Liebe übers Internet? Unmöglich. Blinddates sind was für die Jugend und die
Flirtereien im Internet wohl eine Sache für sich.
Spreu von Weizen sortierend, standen 13 Chatter in meiner Buddyliste bei
AOL. Nette Leute, für interessante Gespräche per Tastatur und Mausklick.
Bis ich eines Tages eine Mail eines dieser Buddys erhielt: "...Traumfrau..
..verliebt..."
Skepsis machte sich breit, denn dass aus einer Onlineverliebtheit etwas
Reales werden würde, wagte ich zu bezweifeln, obwohl mir dieser Buddy in
der Zwischenzeit auch irgendwie ans Herz gewachsen war.
58 Mail in wenigen Tagen, unzählige Telefonate, dann nahm mein Buddy 6 1/2
Stunden Autofahrt von Hamm nach Berlin auf sich und stand mir das erste Mal
real gegenüber.
Das er schüchtern war, wusste ich bereits. Die ersten Stunden verbrachten
wir in und an Berliner Sehenswürdigkeiten.
Meine Ehe kriselte zwar bereits seit Jahren und ich versuchte seit Monaten
den Absprung zu schaffen, aber von einer Beziehungskiste in die andere?
Nie und nimmer!
Irgendwann hat des dann aber doch "Peng" gemacht! Ein Schuss in die Breitseite
meines "ICHS".
Leider (heute sage ich GottseiDank) musste ich für 10 Tage ins Krankenhaus.
10 Tage, die mein Leben total veränderten. Einzelzimmer. Ruhe finden,
Gedanken ordnen und Abstand zu meinem Ehemann aufbauen, das wollte ich.
Doch - egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, ein Arzt oder eine Schwester
das Krankenzimmer betraten, stets sahen sie mich mit dem Telefonhörer in
der Hand...
Meine Zweifelungeheuer wurden immer kleiner und kleiner, meine Angst,
verletzt zu werden ebenfalls, denn ich hatte zum ersten Mal in meinem
Leben jemandem mein "Innerstes" offenbart.
Wie erklärt man einem Blinden die Farbe rot?
Wie oft werden die Wörter "ICH LIEBE DICH" missbraucht oder - weil man es
ja nicht anders kannte - gesagt, ohne im geringsten zu wissen, was Liebe
überhaupt ist.
Chat...ja es kann zur Sucht werden, wenn man mit sich selbst im Unreinen
ist und vor Entscheidungen flüchtet. Eine Flucht im Grunde genommen vor
sich selbst. Ohne zu wissen, wer man wirklich ist. Warum man ist, wie man
ist. Wie viele von uns leben in den Tag hinein, mauern ihr Innerstes zu,
um den verletzbaren, weichen und sensiblen Kern zu schützen. Ja, auch mir
ging es mein Leben lang so. So lange, bis ich im Chat auf den Mann traf,
der mein Leben grundlegend auf den Kopf stellte, durch den ich erfuhr, wer
ich wirklich bin, durch den ich - blind wie ich war - sehen lernte.
Seit dem ersten Treffen sahen wir uns regelmäßig, verbrachten den Urlaub
gemeinsam mit meinen Kindern in Holland, Die seit Monaten versuchte Trennung
von meinem Mann war bereits erfolgt.
Doch dann - einen Tag nach dem Urlaub - eine Mail: "...ich liebe meine Frau
immer noch..."
Für mich brach eine Welt zusammen, ich litt wie ein Tier. Es passte alles
nicht zusammen! Wir hatten nicht nur theoretische Zukunftspläne geschmiedet,
sondern er hatte in der Zwischenzeit auch ein Jobangebot in Berlin und eine
Wohnung für seine Frau gefunden, denn eine Trennung von ihr bedeutete auch
die Aufgabe seines Haustraumes.
Ich suchte nach Erklärungen, baute Puzzleteil an Puzzleteil. Doch was half
es? In mir machte sich eine Wahnsinnsleere breit. Ich stand echt neben mir.
Dann ergriff meine Große (sie ist 17 Jahre alt!) die Initiative. Seine
Probleme (Umzug nach Berlin, Hausverkauf, neuer Job, keine Bekannten und
Verwandten in Berlin, überhaupt von einer Kleinstadt in den Moloch Berlin...)
wuchsen ihm über den Kopf, so, wie ich es vermutet hatte.
Wir fanden wieder zusammen...
Ich war mir über all der Monate seiner Liebe sicher, ich fühlte es einfach.
Mein Schatz ist jetzt dabei "aufräumen" und alles für seinen Umzug nach
Berlin in die Wege zu leiten.
Ich würde ihm so gerne helfen, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man
eine langjährige Ehe nicht Holterdiepolter beenden kann. Zuviel Vertrautes,
Bekanntes und nicht zuletzt auch die Jahre der Gemeinsamkeit in guten und
schlechten Zeiten machen die Trennungsphase sehr, sehr schwer. Doch wir
wissen was wir wollen und unsere Liebe gibt uns Kraft.
Weihnachten werden wir gemeinsam in unserer neuen Wohnung feiern. Auch meine
Kinder freuen sich schon, denn sie verstehen sich großartig mit ihm.
All Ihr, die Ihr meine Zeilen lest: wenn Ihr Euch hundertprozentig sicher
seid, das ist DIE Liebe, zögert nicht, macht reinen Tisch, seid ehrlich
zueinander und wagt den gemeinsamen Neubeginn. Das Leben ist zu kurz, um sich
selbst zu betrügen! Achtet genau auf Eure Gefühle, denn sie sind die
Ventile Eures Inneren!
Ich wünsche mir für Euch, die evtl. vor ähnlichen Situationen stehen, dass
Ihr die Kraft und den Mut findet, Euer Leben in die hand zu nehmen und die
wahre Liebe nicht nur zu erkennen, sondern auch zu leben wagt.
Nachtrag: 14.12.1999
Und es wurde anderes, als wir uns es vorstellt hatten. Er kam nicht. Er ging
einen Schritt zurück. Trotz der tiefen Verletzung, trotz des Schmerzes kann
ich nicht hassen.
Er ist Zeus. Und ich bin Semele...
Nachtrag: 21.02.2000
Und es wird doch so sein, wie es sein sollte. Die Zeit arbeitete für uns,
ließ uns erfahren, dass nichts, aber auch nichts, Liebende trennen kann,
wenn beide Seiten geben und nehmen...
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